Recensie concert Beethovenhaus (Bonn, 3 februari 2009)
Bron: Bonner Rundschau (06/02/2009)
Grandioser Zug ins Sinfonische
Das excellente Oxalys-Ensemble aus Belgien spielte im Beethoven Haus
Von H.D.Terschüren
Bonn Gegründet haben “Oxalys” 1993 studierende am Conservatoire de Bruxelles, wo sie heute noch residieren. Als sie 2009 Jean Arp zu ehren in den Bahnhof Rolandseck kamen, gehörten sie zu einem 1920er-Jahre-Spektakel aus Cocteau, Satie und Groupe de Six – und das alles so ausgelassen, unseriös und witzig und irgendwie befreit, wie die Zeit selbst damals.
Aber sie können auch anders. Dafür ab Dienstag das Beethoven-Haus in seinem Kammermusiksaal Gelegenheit. Auch nicht wenig reißerisch mit zwei Zelebritäten wie Beethovens Septett und Schuberts Oktett, letzteres noch mit zweiter Violine. Das andere, das ist also das klassische “Oxalys” ins seiner – hier für Beethoven und Schubert variierten – Stammbesetzung von Streichquintett, Flöte, Klarinette, Harfe. Fagott und Horn statt Flöte und Harfe haben das leicht französische Parfüm eliminiert.
Die Tonangeber aber waren erst mal zwei Damen. In dem belgischen Kammermusik-Ensemble sind es die Geigerin Shirly Laub und die Klarinettistin Nathalie Lefèvre, von den die Inspiration kam; hinreißend, vie die beiden die musikalischen Auseinandersetzungen mit den übrigen immer neu anstießen. In beiden Stücken geht es ja immer wieder um den Klangausgleich zwischen Streichern und Bläsern, und den führte die quirlige Shirly Laub mit fabelhafter Aufmerksamkeit herbei und auch mit ungewöhnlich schönem Ergebnis, das im nicht zuletzt auch wegen des attraktiven Programms überfüllten Kammermusiksaal gefeiert wurde.
Die Damen hatten im übrigem auch exzellente Partner. Vor allem der vorzügliche Hornist Luc Bergé und der elegante Fagottbläser Pieter Nuyten verdienten, extra genannt zu werden. Überzeugend auch, wie die acht bei Schubert 1824 sich auch als Antwort auf die sieben bei Beethoven um 1800 erkennbar machten in dem grandiosen Zug ins Sinfonische, den Schubert hier probiert, den das Ensemble dabei auch als den größeren Melodieerfinder würdigte.
Alles in allem: Man muss schon suchen, will man so wundervolle, Herz und Verstand gewinnende Musik so schön gespielt hören, wie von diesen jungen belgischen Kammermusikern in ihrem freimütigen Zugriff.
